Konfiguration eines DrayTek Vigor-Routers für reinen ISDN-Betrieb
DrayTek bietet auch Router an, mit denen der Internetzugang über ISDN möglich ist. Dieses sind grundsätzlich auch DSL-Router, bei denen der ISDN-Zugang meist als Fallback bei Ausfall des DSL-Anschlusses genutzt wird. Möglich ist es aber auch, diese Geräte für den reinen ISDN-Zugang zu konfigurieren. Um Ihnen dieses zu erleichtern, haben wir die nötigen Konfigurationsschritte in diesem Dokument zusammen gefasst.
Die Abbildungen stammen hier vom Vigor 2700Gi und Vigor 2910i, bei den anderen Modellen ist die Konfiguration aber fast identisch.
1. Abschalten
des DSL-Zugangs
In der Werkseinstellung
ist der DSL-Zugang bei Vigor-Routern aktiviert und muss zur Nutzung als
DSL-Router deaktiviert werden.

Bei Modellen mit integriertem DSL-Modem und bei den Modellen ohne DSL-Modem aber mit nur einem WAN-Port wählen Sie Einwahl ins Internet / PPPoE/PPPoA an und stellen dann auf inaktiv.

Bei den Modellen ohne DSL-Modem und mit mehreren WAN-Ports wählen Sie WAN / Basiskonfiguration und stellen bei allen WAN-Ports Aktiv auf Nein.
2. Einrichten
des ISDN-Internetzugangs
Nun muss
noch der ISDN-Zugang und die Zugangsdaten eingerichtet werden.
Rufen Sie ISDN / Basiskonfiguration auf und stellen hier den ISDN Port auf aktiv und das Land auf Deutschland.

Wenn Sie hinter Eigene Rufnummer eine Ihrer Rufnummern eintragen, so benutzt der Vigor diese für ausgehende Verbindungen, geben Sie hier keine Rufnummer ein, so wird die Haupt-Rufnummer des Anschlusses benutzt.
Rufen Sie nun ISDN / Einwahl über einen ISP auf.

Unter ISP Einstellungen tragen Sie die Zugangsdaten Ihres Internet-Anbieters ein.
Unter PPP / MP Einstellungen wählen Sie hinter Verbindung, ob Sie Internet-Verbindung mit einer Leitung (64 kBit/s Leitung), mit zwei Leitungen gleichzeitig (128 kbit/s Leitung) oder mit dynamischer Kanalbündelung (automatisch (BOD)) wünschen.
Hinweis: Bei Nutzung von zwei Leitungen (auch in der dynamischen Kanalbündelung) verdoppelt sich zwar die Internet-Geschwindigkeit, es fallen aber auch doppelte Internetkosten bei zeitabhängigen Tarifen an. ISDN-Flatrates sind je nach Anbieter entweder nur für eine Leitung verfügbar oder kosten für Kanalbündelung entsprechend mehr.
Hinter Max. Leerlaufzeit tragen Sie die Zeit ein, nach der der Router bei Inaktivität die Internetverbindung automatisch trennen soll.
3.
Verhindern von unerwünschten Einwahlen
Bei
der bisher beschriebenen Konfiguration baut der Vigor die Internetverbindung
automatisch auf, wenn diese benötigt wird und trennt diese wieder,
wenn für den unter "Max. Leerlaufzeit" festgelegten
Zeitraum keine Daten mit dem Internet mehr ausgetauscht werden.
Diese Einstellung ist optimal für den praktischen Betrieb, wir empfehlen aber, beim Internet-Anbieter eine Flatrate zu beauftragen. Bei Erstellung dieser Dokumentation bot T-Online eine Flatrate für eine Leitung zum Preis von 80 Euro, Arcor eine Flatrate für eine Leitung für 14,95 Euro, für zwei Leitungen für 29,99 Euro pro Monat an.
Wie jeder Router baut der DrayTek Vigor in der Werkseinstellung automatisch Internet-Verbindungen auf, wenn diese benötigt werden und trennt die Verbindung nach einer einstellbaren Zeit wieder. Besonders die aktuellen Betriebssysteme Mac OS X und Windows XP/Vista bauen aber auch selbstständig und vom Benutzer nicht abschaltbar regelmässig Internetverbindungen auf und viele Programme prüfen beim Start über das Internet, ob eine neue Programmversion verfügbar ist. Dieses führt bei der Nutzung von zeitabhängig berechneten Internet-Tarifen zu ungewollten (und meist unbemerkten) kostenpflichtigen Verbindungen.
Wir beschreiben hier, wie der Vigor-Router für manuelle Anwahl des Internets konfiguriert werden kann. Hierbei beschreiben wir zum Einen den rein manuellen Aufbau der Verbindung, zum Anderen aber auch eine Konfiguration, über die die Anwahl der Internetverbindung vollautomatisch durch Anwahl einer bestimmten Webseite im Webbrowser und durch Nutzung des eMail-Programms aufgebaut wird, alle anderen Aufrufe ins Internet aber nicht zur Anwahl führen.
Hierzu wird die Firewall des Vigor benutzt.

Im Punkt Firewall / Grundeinstellungen sehen Sie, dass die Firewall des Vigor sowohl Anruf- als auch Daten-Filter unterstützt. Die Anruffilter bestimmen, unter welchen Bedingungen Internetverbindungen hergestellt werden, die Datenfilter sind bei bestehender Internetverbindung aktiv. In der Werkseinstellung des Vigor sind beide Filter wie oben abgebildet aktiv, der Anruffilter verweist auf Satz 1, der Datenfilter auf Satz 2.
Stellen Sie sicher, dass dies auch bei Ihnen so der Fall ist.
3.1 Manuelle
Anwahl
Hierzu wird in der Firewall ein Callfilter angelegt,
der sämtliche
Zugriffe auf das Internet verhindert.
Rufen Sie in der Rubrik Firewall den Punkt Filtereinstellungen auf.
Klicken Sie den Filtersatz 1 Default Call Filter an.
Sie sehen hier unter "1" den in der Werkseinstellung der Firewall bereits aktiven Netbios-Filter. Klicken Sie auf "2" um eine weitere Filterregel hinzuzufügen.

Konfigurieren Sie wie oben abgebildet und bestätigen Sie die Eingabe mit OK.
Diese Filterregel legt fest, dass wenn ein beliebiger Computer Ihres Netzwerkes (Quelle any mit Subnetmaske 255.255.255.255) auf beliebigem Port (Start- und Endport frei) einen Zugriff auf ein beliebiges Ziel im Internet (Ziel any mit Subnetmaske 255.255.255.255) auf beliebigem Port (Start- und Endport frei) durchführt, dieser Zugriff blockiert werden soll, der Router also keine Internetverbindung aufbaut.
Die Verbindung ins Internet kann nun nur noch manuell über den Punkt Diagnose Tool / WAN-Verbindung / ISDN wählen in der Konfiguration des Routers erfolgen.
Tipp: Sie können die Diagnoseseite durch Eingabe von http://192.168.1.1/doc/digisdn.sht auch direkt aufrufen und darauf ein Lesezeichen (Bookmark) im Browser anlegen oder die Seite zur Startseite in Ihrem Browser bestimmen. So haben Sie immer direkt Zugriff auf die Seite zum Aufbau und Abbau von Verbindungen.
Über den Online-Status oder die Diagnoseseite können Sie die Verbindung manuell trennen, der Router trennt die Verbindung aber auch automatisch, wenn für die eingestellte Leerlaufzeit keine Daten mehr mit dem Internet ausgetauscht werden.
3.1 Reduzierte
automatische Anwahl
Wenn es Ihnen lästig ist, die Verbindung manuell aufzubauen, so können
Sie weitere Filterregeln aufstellen, die nur unter bestimmten Bedingungen
einen automatischen Aufbau der Internetverbindung erlauben.
Hierzu werden in der Firewall ein Callfilter angelegt, der erstmal sämtliche Zugriffe auf das Internet verhindert und zusätzliche Regeln, die den Verbindungsaufbau für bestimmte Dienste wieder erlaubt.
Rufen Sie in der Rubrik Firewall den Punkt Filtereinstellungen auf.
Klicken Sie den Filtersatz 1 Default Call Filter an.
Sie sehen hier unter "1" den in der Werkseinstellung der Firewall bereits aktiven Netbios-Filter. Klicken Sie auf "2" um eine weitere Filterregel hinzuzufügen.

Bestätigen Sie die Eingabe mit OK.
Diese Filterregel ist ähnlich der Regel für den manuellen Aufbau, nur dass nicht sofort blockieren, sondern blockieren, falls keine weitere Übereinstimmung ausgewählt wird. Diese Filterregel legt erstmal fest, dass, Internetverbindungen von keinem Computer und auf keinen Ports aufgebaut werden dürfen.
Wählen Sie dann im Callfilter (Filtersatz 1) Filterregel 3 an.

Durchlassen oder Blockieren wird hier auf sofort durchlassen gestellt.
Quelle ist wieder any, also jeder Computer in Ihrem Netz.
Ziel ist die gewünschte IP-Adresse, in unserem Beispiel 209.85.135.103 (durch Angabe der Subnetz-Maske 255.255.255.255 nur exakt diese Adresse).
Bestätigen Sie die Eingabe mit OK.
Mit dieser Regel wird der Router nun bei Aufruf der IP-Adresse von 209.85.135.103 (IP-Adresse von Google) im Webbrowser eine Internet-Verbindung aufbauen. Tragen Sie nun als Startseite im Webbrowser http://209.85.135.103 ein. Der Vigor-Router wird dann Internetverbindungen nicht mehr automatisch aufbauen. Nur wenn Sie den Webbrowser starten und dieser die Adresse http://209.85.135.103 aufruft, stellt der Vigor eine Verbindung ins Internet her und ruft die Google Seite auf.
Danach können Sie auch alle anderen Webseiten aufrufen, Ihre eMail abholen oder mit sonstigen Programmen die Internetverbindung nutzen.
Sobald Ihre Computer aber für die voreingestellte Zeit (Werkseinstellung 3 Minuten) keine Daten mit dem Internet ausgetauscht haben, trennt der Vigor die Internetverbindung automatisch. Diese muss dann wieder durch Aufruf der Startseite im Browser wieder hergestellt werden.
Anstelle der oben angegebenen IP-Adresse können Sie natürlich jede andere IP-Adresse eintragen. Wenn Sie die IP-Adresse einer Webseite nicht kennen, so führen Sie einfach eine Ping auf die Adresse (z.B. auf www.google.de) aus. In der Antwort des Pings erhalten Sie dann die IP-Adresse der Seite.
Einen Ping können Sie mit der entsprechenden Funktion Ihres Betriebssystems, aber auch über den Punkt Diagnose Tools / Ping der Web-Konfiguration des Vigor-Routers (nur bei einigen Modellen verfügbar) durchführen.
So konfiguriert müssen Sie um eMails abzuholen oder zu senden immer vorher den Webbrowser und dann innerhalb der Leerlaufzeit das Abholen von eMails im eMail-Programm starten. Wenn Sie einer erhaltene eMail beantworten und die Antwort dann versenden wollen, wird wahrscheinlich die Leerlaufzeit schon abgelaufen sein und Sie müssen die Anwahl wieder über den Webbrowser starten.
Ist Ihnen dieses zu lästig, so können Sie zwei zusätzliche Filterregeln für eMail einrichten.

Diese Regel bestimmt, dass beim Empfangen von eMail über POP3 (Port 110) automatisch eine Internetverbindung aufgebaut wird.

Diese Regel bestimmt, dass beim Senden von eMail über SMTP (Port 25) automatisch eine Internetverbindung aufgebaut wird.
Da der Vigor vor dem Verbindungsaufbau den DNS-Server des Providers nicht kennt, müssen im eMail-Programm die übliche Angaben der POP3- und SMTP-Server (z.B. pop3.arcor.de und mail.arcor.de) durch die IP-Adressen des POP3- und des SMTP-Servers ersetzt werden. Die IP-Adressen bekommen Sie wie schon oben für die Webseite beschrieben durch einen Ping auf den POP3- und auf den SMTP-Server heraus.
3.2 Kontrolle
Kontrollieren Sie ausführlich, ob die angelegten Filterregeln auch
korrekt funktionieren
ehe Sie sich darauf verlassen. Im Onlinestatus des Vigor-Routers sehen Sie
in der Rubrik ISDN Status ob Internetverbindungen über
die beiden Leitungen
B1 und B2 des Vigor aktiv sind oder nicht.

In der Abbildung ist über die erste Leitung B1 eine Verbindung zu Arcor Call-by-Call aktiv, über die zweite Leitung B2 nicht.
Prüfen Sie auch, ob die Verbindung bei Inaktivität korrekt getrennt wird. Der Router trennt bei Inaktivität innerhalb der unter Leerlaufzeit eingestellten Zeit. Wenn die Zeit bis zum Trennen manchmal länger dauert, so liegt das in der Regel daran, dass Ihr Computer oder ein laufendes Programm innerhalb der Inaktivitätszeit einen Internetzugriff gemacht hat. Gelegentliches etwas späteres Trennen ist daher in der Regel normal.
4. Haftungsausschluss
Diese Informationen
wurden mit bestem
Wissen erstellt
und auch
getestet.
TKR übernimmt aber keine Haftung hierfür. Prüfen Sie daher
Ihre Konfiguration auf korrekte Funktionalität. Im Onlinestatus des
Routers können
Sie sehen, ob Internetverbindungen
aufgebaut sind
oder nicht.
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