VoIP
für grössere Telefonanlagen durch Anlagenkopplung mit der AVM FRITZ!Box
Aktuell gibt es mit der OpenCom 31/X32 von DeTeWe und den FRITZ!Box-Modellen von AVM Telefonanlagen, welche VoIP (Voice over IP = Internet-Telefonie) fest in der Anlage integriert haben. Für den Heimbereich sind das gute Lösungen, im Geschäftskundenbereich werden aber häufig mehr als vier Telefone und Sonderfunktionen wie z.B. Systemtelefone oder individuelle Wartemusik benötigt.
Fast alle grösseren Telefonanlagen unterstützen aber VoIP nicht direkt.
Zur Lösung dieses Problems kann eine bestehende oder neu anzuschaffende Telefonanlage mit der AVM FRITZ!Box 5050/7050 (und allen zukünftigen Modellen, die über einen internen S0-Bus verfügen; wir verwenden hier in Abbildungen beispielhaft die FRITZ!Box 7050) gekoppelt werden. Durch diese Anlagenkopplung können alle Telefone an der Haupt-Telefonanlage sowohl über Festnetz als auch über VoIP telefonieren.
Grundlagen
Die FRITZ!Box ist DSL-Router und Telefonanlage in einem Gerät.

Die FRITZ!Box wird am DSL-Anschluss des Splitters, Computer an der FRITZ!Box über LAN-, USB oder WLAN angeschlossen. Die FRITZ!Box fungiert so als Router und stellt allen Computern den Internetzugang zur Verfügung. Zusätzlich werden Ihre VoIP-Rufnummern in der FRITZ!Box konfiguriert, sie registriert Ihre VoIP-Rufnummern dann beim Aufbau der Internetverbindung bei Ihrem VoIP-Anbieter und wickelt Internet-Telefonate über die bestehende DSL-Internetverbindung ab. Damit Sie telefonisch über VoIP immer erreichbar sind, lässt sich die FRITZ!Box so konfigurieren, dass Sie die Internetverbindung dauerhaft aufrecht erhält.
Hinweis: Normalerweise ersetzt die FRITZ!Box einen bereits bestehenden DSL-Router. Sollten Sie den bestehenden DSL-Router aber auch weiterhin verwenden wollen (z.B. weil darüber VPN-Verbindungen aufgebaut werden), so ist es alternativ möglich, die FRITZ!Box an den bestehenden Router anzuschliessen. Die FRITZ!Box baut dann nicht die Internetverbindungen auf, sondern wickelt ausschliesslich die Internet-Telefonie über den bestehenden Router ab.
Die FRITZ!Box verfügt über drei analoge Nebenstellen und über einen internen S0-Bus zum Anschluss eines ISDN-Telefons. Alle an diesen Nebenstellen angeschlossenen Endgeräte können über Internet telefonieren.
Zusätzlich wird die FRITZ!Box am analogen Telefonanschluss oder am NTBA des ISDN-Telefonanschlusses angeschlossen und erlaubt so allen angeschlossenen Endgeräten nicht nur über Internet, sondern auch über Festnetz zu telefonieren.
Genügen Ihnen diese Anzahl an Nebenstellen nicht, so kann eine bestehende oder anzuschaffende ISDN-Telefonanlage mit der FRITZ!Box „gekoppelt” werden, so dass mit allen Telefonen an der Anlage Gespräche über Festnetz oder Internet möglich sind.
Die Art der Anlagenkopplung unterscheidet sich, je nachdem, ob Sie einen oder mehrere ISDN-Anschlüsse haben und ob diese als Mehrgeräte- oder Anlagenanschlüsse ausgeführt sind.
Lesen Sie
hier weiter, wenn Sie einen
ISDN-Mehrgeräteanschluss haben.
Lesen Sie
hier weiter wenn Sie mehrere
ISDN-Mehrgeräteanschlüsse haben.
Lesen Sie
hier weiter,
wenn Sie einen
oder mehrere ISDN-Anlagenanschlüsse haben.
Alternativ zu diesen empfohlenen Arten der Anlagenkopplung ist noch der
Betrieb
der FRITZ!Box als Unteranlage möglich.
Anlagenkopplung mit
einem ISDN-Mehrgeräteanschluss
Die FRITZ!Box wird wie unter
Grundlagen
beschrieben angeschlossen.
Anstelle eines ISDN-Telefons kann am internen S0-Bus der FRITZ!Box (Fon S0) der externe S0-Bus einer ISDN-Telefonanlage (der Anschluss, der vorher mit dem NTBA verbunden war) angeschlossen werden.

Der externe S0 der TK-Anlage wird am internen S0 der Box angeschlossen.
Der externe S0 der Box wird mit dem NTBA verbunden.
Alle Gespräche laufen über die Box. Die Konfiguration entscheidet, ob die Gespräche über VoIP oder Festnetz aufgebaut werden.

Für die Teilnehmer verhält sich die FRITZ!Box völlig transparent. Sie wählen wie gehabt die Rufnummer ohne spezielle Vorwahl oder Tastencodes. FRITZ!Box entscheidet anhand der Konfiguration, ob das Gespräch über Internet oder Festnetz geführt wird. Eingehende Gespräche vom Internet oder Festnetz werden von FRITZ!Box einfach an die TK-Anlage weitergegeben. Hier entscheidet die Konfiguration der TK-Anlage, welche Nebenstelle darauf reagiert.
Ob ein Gespräch über Festnetz oder Internet geführt wird, entscheidet FRITZ!Box Fon anhand der gehenden Rufnummer. Die Regel dabei ist einfach: Ist die Abgangs-MSN eine Internet- oder eine VoIP-fähige Festnetznummer, wird das Gespräch über das Internet aufgebaut. Alle anderen Rufe werden über das Festnetz geführt. Für Geräte ohne Abgangsrufnummer kann in der Box eine Hauptrufnummer (Festnetz oder Internet) hinterlegt werden.
Tipp: Achten Sie für einen geregelten Betrieb darauf, dass alle Teilnehmer der TK-Anlage eine gehende Rufnummer konfiguriert haben, und dass alle Festnetzrufnummern in der FRITZ!Box Fon eingetragen werden.
![]() |
Hat das Gerät die Abgangs-MSN 9876, läuft das Gespräch über das Internet. Wird abgehend die 1234 genutzt, geht das Gespräch ebenfalls über das Internet, da VoIP bevorzugt wird. Geräte mit der AbgangsMSN 5678 telefonieren dagegen über das Festnetz. Geräte ohne Abgangs-MSN telefonieren über die Hauptrufnummer, in dem Fall über das Internet mit der Nummer 1234. |
So konfiguriert können alle Telefone an der Telefonanlage sowohl über Internet als auch über Festnetz telefonieren.
Wie oben erläutert entscheidet die FRITZ!Box aufgrund der in der Telefonanlage eingestellten ausgehenden Rufnummer, ob das Gespräch über Internet oder Festnetz geführt wird.
Über Wahlregeln in der FRITZ!Box können abweichende Regeln aufgestellt werden. So werden z.B. alle Service- und Notrufnummern grundsätzlich über Festnetz geführt, Sie können aber z.B. auch festlegen, dass alle Gespräche zu Handies nicht über Internet, sondern über Festnetz und dann wahlweise auch über einen beliebigen Call-by-Call Anbieter geführt werden.
Soll ein Gespräch mal explizit über Festnetz oder über mit einer bestimmten Rufnummer geführt werden, so kann dieses durch Eingabe eines Tastencodes am Telefon für das Gespräch ausgewählt werden.
In dieser Konfiguration können maximal zwei Telefonate gleichzeitig (Internet oder Festnetz) geführt werden.
Verfügt Ihre ISDN-Telefonanlage über einen weiteren externen S0-Bus (oder über einen bisher nicht benutzten internen S0-Bus der extern geschaltet werden kann), so können Sie die Telefonanlage zusätzlich am NTBA anschliessen.

Ein externer S0 der Telefonanlage wird an Fon S0 der FRITZ!Box angeschlossen. In der TK-Anlage muss dieser S0 priorisiert werden, damit die ersten beiden Gespräche über VoIP gehen. Der zweite externe S0-Bus der Telefonanlage wird am NTBA angeschlossen. So sind gleichzeitig bis zu vier Gespräche (zwei über Festnetz und zwei über VoIP) möglich.
Anlagenkopplung mit mehr als einem ISDN-Mehrgeräteanschluss
Die FRITZ!Box wird wie bei
Betrieb
mit einem ISDN-Anschluss angeschlossen und konfiguriert. Hierbei wird
der erste externe S0-Bus der Anlage an Fon S0 der FRITZ!Box und der ISDN-Anschluß
der FRITZ!Box mit dem NTBA des ersten ISDN-Anschlusses verbunden.
Der zweite externe S0-Bus der Telefonanlage bleibt mit dem NTBA des zweiten ISDN-Anschlusses verbunden.

In der TK-Anlage muss der erste externe S0-Bus priorisiert werden, damit die ersten beiden Gespräche über VoIP gehen.
So sind gleichzeitig zwei Gespräche über VoIP und zwei Gespräche über Festnetz möglich.
Verfügt Ihre ISDN-Telefonanlage über einen weiteren externen S0-Bus (oder über einen bisher nicht benutzten internen S0-Bus der extern geschaltet werden kann), so können Sie diesen zusätzlich zur FRITZ!Box am NTBA des ersten ISDN-Anschlusses anschliessen. Dann sind insgesamt sechs gleichzeitige Gespräche (2 Gespräche über Internet und 4 Gespräche über Festnetz) möglich.
Anlagenkopplung mit ISDN-Anlagenanschluss
Beim Anlagenanschluss kann FRITZ!Box Fon nicht direkt mit dem Festnetz verbunden werden, denn der Anschluss „Analog/ISDN” der FRITZ!Box kann nur am ISDN-Mehrgeräte-, nicht aber am ISDN-Anlagenanschluss benutzt werden.
Zur Anlagenkopplung mit der FRITZ!Box am ISDN-Anlagenanschluss muss die Telefonanlage über einen freien externen und einen freien internen S0-Bus verfügen und die Anlage muss gemischten Betrieb von Anlagen- und Mehrgeräteanschlüssen unterstützen.
Hinweis: Verfügt Ihre bestehende Telefonanlage nicht über einen freien
externen und internen S0-Bus so kann alternativ die Anlagenkopplung der
FRITZ!Box als
Unteranlage gewählt
werden.

Die Telefonanlage bleibt wie bisher mit dem NTBA (bzw. den NTBAs bei mehreren ISDN-Anschlüssen) verbunden.
Zusätzlich wird ein weiterer externer S0-Bus der Telefonanlage mit dem internen S0-Bus „Fon S0” der FRITZ!Box verbunden. In der Telefonanlage wird dieser externe S0-Bus priorisiert, so dass ausgehende Gespräche über diesen S0-Bus und damit über VoIP geführt werden.
Bei einem ausgehenden Gespräch holt sich die Telefonanlage nun ein „Internet-Amt” über die FRITZ!Box, das Gespräch wird über VoIP geführt. Hier sind maximal zwei Gespräche gleichzeitig möglich. Werden bereits zwei Gespräche über VoIP geführt, so wird ein drittes ausgehendes Telefonat von der Telefonanlage automatisch über Festnetz geführt.
Wird ein ausgehendes Gespräch über die FRITZ!Box und damit über VoIP geführt, die gewählte Rufnummer ist aber über VoIP nicht erreichbar (z.B. bei Service- oder Notrufnummern), dann greifen die Wahlregeln in die FRITZ!Box versucht das Gespräch über ihren Anschluss „analog/ISDN” über das Festnetz zu führen.

Damit dieses gelingt wird der Anschluss „analog/ISDN” der FRITZ!Box mit einem freien internen S0-Bus der Telefonanlage verbunden. Auf dem internen S0-Bus wird in der Konfiguration der Telefonanlage eine Nebenstelle für die FRITZ!Box eingerichtet, für die als Amtsholung ausschliesslich die externen S0-Busse der Anlage eingerichtet werden, die direkt mit den NTBA verbunden sind. Diese Nebenstelle muss in der Anlage auf spontane Amtsholung gestellt werden.
Wählt nun eines der Telefone über die FRITZ!Box eine nicht über VoIP verfügbare Rufnummer, so holt sich die FRITZ!Box automatisch über den internen S0-Bus der Telefonanlage ein Festnetzamt und führt das Gespräch über Festnetz.
Alternativ: Einsatz als Unteranlage
In den bisherigen Beschreibungen wird die FRITZ!Box als „Kopfanlage” eingesetzt. Dieses ist die zu bevorzugende Art der Anlagenkopplung, denn nur dann ist die volle Funktionalität der FRITZ!Box gegeben. Nur wenn der Betrieb als Kopfanlage aus technischen Gründen nicht möglich ist, sollte sie als Unteranlage eingesetzt werden.
Der Einsatz als Unteranlage kann in folgenden Fällen sinnvoll bzw. erforderlich sein:
Wird die FRITZ!Box als Nebenstelle an der vorhandenen TK-Anlage angeschlossen, spricht man vom Einsatz als Unteranlage. Eine TK-Anlage kann so um VoIP erweitert werden, ohne dass die Konfiguration der Anlage geändert werden muss.

Die Amtsleitung der FRITZ!Box wird mit einer Nebenstelle der TK-Anlage verbunden (interner S0 oder analog).
Die FRITZ!Box ist mit ihrer Amtsleitung als Nebenstelle an der TK-Anlage angeschlossen. Wird diese Nebenstelle angerufen, ist das für die Box ein kommender externer Anruf. Damit der Anrufer über das Internet weiter telefonieren kann, muss die Durchwahlfunktion aktiviert werden. Um die Durchwahl so komfortabel wie möglich zu gestalten, gibt es die Funktion "Anlagenkopplung". Dabei erhält der Teilnehmer nach Anwahl der Nebenstelle, an der FRITZ!Box Fon angeschlossen ist, sofort ein Freizeichen und kann dann die Zielrufnummer einfach nachwählen.
Die Durchwahl bzw. Anlagenkopplung wird im Menüpunkt "Rufumleitung" konfiguriert. Um die Konfiguration vornehmen zu können, muss die Expertenansicht aktiviert sein.
![]() |
In diesem Beispiel "hört" die FRITZ!Box an der TK-Anlage auf die Rufnummer 10. Rufen Teilnehmer die Nebenstelle 10 an, bekommen sie von der FRITZ!Box ein Freizeichen und sie können nachwählen. Die Verbindung wird dann über das Internet mit der Rufnummer 1234 aufgebaut. Kommende Rufe aus dem Internet werden an die TK-Anlage an die Rufnummer 15 weitergeleitet. An den Nebenstellen der FRITZ!Box angeschlossene Telefone können über die TK-Anlage ins Festnetz telefonieren. Dafür ist hier die spontane Amtsholung aktiviert. |
Gegenüber dem Einsatz als Kopfanlage sind bei dem Betrieb als Unteranlage folgende Dinge zu beachten:
Der große Vorteil dieser Betriebsart ist die Tatsache, dass an der vorhandenen TK-Anlage nichts geändert werden muss. Es kann praktisch jede Anlage dadurch um VoIP ergänzt werden.